3. Dezember 2018

Alleine bleiben

Viele Hundehalter kennen dieses Problem – der Hund kann nicht alleine bleiben. Oft führt das auch schnell zu Streitigkeiten mit den Nachbarn und so mancher Hund musste sein Zuhause und seine Familie schon verlassen, weil der Frieden im Haus durch ihn gestört wurde.

Die meisten Hunde leiden nicht, wie viele Hundehalter vermuten, unter einer ausgeprägten Trennungsangst! Es liegt ganz einfach nicht in der Natur des Hundes, von seinem Rudel alleine zurück gelassen zu werden. Nichts desto trotz, kann das Alleinebleiben meist gelernt werden.

Natürlich sind Hunde Individuen und was beim einen gut funktioniert, muss es beim anderen noch lange nicht. Dennoch sprechen so gut wie alle Hunde auf die folgende Art des Trainings gut an.

In dieser Anleitung arbeite ich mit der Drahthaar-Mischling-Dame „Douchka“. Douchka landete bei uns, weil ihre Besitzerin verstorben ist, so ist die wuschelige Hündin mit ihren heute 10 Jahren auf der Suche, nach einem neuen Zuhause. Da Douchka kleinere Hunde attackierte, konnte sie zunächst in keiner Pflegefamilie leben. Im Tierheim war sie dann in Einzelhaltung und weinte kläglich, denn das Alleinesein hatte sie nie gelernt. Seit einigen Tagen lebt sie nun bei uns im Rudel und lernt, wie man mit anderen Hunden umgeht. Das Alleinebleiben ist allerdings bei Douchka das weitaus grössere Problem, denn selbst wenn man sich nur kurzzeitig aus ihrer Erreichbarkeit entfernt, beginnt sie laut zu heulen und will sich durch Türen fressen, wobei sie sich leicht ihre empfindliche Nase verletzt.

So wird mit Douchka nun erfolgreich das Alleinebleiben trainiert.

Als erstes legen Sie sich einen Korb, wie auf dem Bild, oder eine Hundebox/-höhle zu, je nach dem, was Ihr Hund bevorzugt. Kleinere Hunde bevorzugen oft Höhlen, ist es darin doch schön kuschlig warm. Grosse Hunde hingegen liegen auch gerne mal lang ausgestreckt da und benötigen dazu genügend Platz. Sie kennen Ihren Hund am besten und können so bestimmt gut einschätzen, was ihm gefällt. Wichtig ist, dass ihrem Hund der angebotene Liegeplatz angenehm ist, denn dieser soll zu seiner Wohlfühl- und Enspannungszone werden, polstern Sie den neuen Platz also gerne auch mit genügend weichen Materialien, wie Decken und Kissen, aus.

Das A und O beim Training ist Konsequenz! Dies gilt natürlich allgemein in der Hundeerziehung. Um Ihrem Hund das Alleinebleiben erfolgreich beizubringen, nehmen Sie sich am besten ausreichend Zeit. Fangen Sie damit also in der Urlaubszeit an oder wenn ein langes Wochenende ansteht.

In den folgenden Tagen werden Sie Ihren Hund nicht mehr aus seinem Napf, sondern nur noch beim Training füttern. Dies erhöht den Erfolg Ihres Trainings ungemein und sorgt dafür, dass der Liegeplatz wirklich zur absoluten Wohlfühlzone für Ihren Hund wird.

Legen Sie Ihrem Hund nun eine hackenlose (wenn Ihr Hund einen Hacken oder eine Ausziehleine hinter sich her ziehen muss, könnte ihn dies erschrecken und Ihren Trainingserfolg hinauszögern), ca. 1 Meter lange Leine an.

Werfen Sie nun eine Hand voll Leckerlis auf den neuen Liegeplatz und lassen Sie ihn diese fessen. Ihr Hund beginnt nun, den neuen Platz mit etwas positivem zu verbinden.

Wenn Ihr Hund nun mit allen Vieren im Korb ist, sagen Sie ein Kommando, wie „Decke“ oder „Korb“ und werfen Sie ihm erneut einige Leckerlis auf seinen Platz.

Entfernen Sie sich nun wortlos von Ihrem Hund. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird dieser Ihnen folgen. Nun nehmen Sie wortlos die Leine auf, laufen mit Ihrem Hund zurück zum Korb, führen ihn hinein und wiederholen das Kommando, welches sie sich ausgesucht haben.

Entfernen Sie sich erneut wortlos und führen den Hund erneut zurück auf seinen Platz falls er Ihnen folgt und wiederholen das Kommando. Diesen Vorgang wiederholen Sie so lange, bis Ihrem Hund das ganze zu blöd wird und er sich entspannt.

Nun gehen Sie hin und geben Ihrem Hund erneut Leckerlis. Ihr Hund lernt dabei, dass er mit Ruhe und Gelassenheit ans Ziel kommt, mit Aufregung aber nicht.

Lösen Sie die Übung auf, indem Sie die Leine Ihres Hundes nehmen und diesen damit von seinem Platz weg führen, lösen Sie die Leine dann.

Geht Ihr Hund nun von sich aus zurück in den Korb, geben Sie ihm erneut Leckerlis.

Wenn immer es Ihre Zeit erlaubt, wiederholen Sie nun diese Übung und beenden Sie nur dann, wenn Ihr Hund wirklich entspannt ist, Ihr Hund darf die Übung niemals von sich aus beenden.

In den folgenden Tagen bauen sie die Übung immer weiter aus. Wenn Ihr Hund verstanden hat, dass er auf seinem Platz bleiben soll, dann setzen Sie sich in Sichtweite zu Ihrem Hund hin und lesen Sie ein Buch, falten die Wäsche oder tun, wonach Ihnen der Sinn steht.

Wenn dies gut klappt, dann fangen Sie an mit etwas lebendigeren Tätigkeiten, Räumen Sie etwas auf oder wischen Sie die Böden. Dabei verlassen Sie hin und wieder den Raum, verschwinden aus dem Sichtfeld des Hundes, tauchen aber wenige Sekunden später wieder auf. Wenn Ihr Hund dabei vollkommen entspannt bleibt, dann belohnen Sie ihn mit Leckerlis.

Dehnen Sie die Übung nun weiter aus. Leeren Sie zum Beispiel Ihren Briefkasten, während Ihr Hund entspannt auf seinem Platz liegt.

Wenn Ihr Hund selbst dabei völlig entspannt bleibt, können Sie Anfangen, die Wohnung für 2-3 Minuten zu verlassen, um dann zurück zu kommen und ihm erneut Leckerlis auf seinen Platz fallen zu lassen. Wenn Ihr Hund bei Ihrem Reinkommen Sie bereits an der Wohnungstür erwartet, dann führen Sie ihn wortlos auf seinen Platz und geben erneut das Kommando.

Geben Sie Ihrem Hund genügend Zeit für die einzelnen Schritte, damit er diese gut verinnerlichen kann. Diese Übung mag aus menschlicher Sicht sehr einfach erscheinen, für einen Hund ist es aber ein ganzes Stück Arbeit.

Wenn Ihr Hund nun auf seinem Platz bleibt, selbst wenn Sie die Wohnung für einige Minuten verlassen, dann sind Sie am Ziel angelangt. Entwickeln Sie nun ein Ritual und schicken Ihren Hund immer 30 Minuten bevor Sie das Haus ohne ihn verlassen auf seinen Platz. Ihr Hund versteht so, dass Sie gerade etwas Freiraum benötigen und er Ihnen nicht folgen soll. Nach dem Training der vergangenen Tage wird er nun entspannt schlafen, während Sie die Dinge erledigen, bei denen Ihr Hund nicht dabei sein kann.

Alle Infos zur Vermittlung von Douchka finden Sie hier.